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Lockerungen – Welchen Experten können wir trauen?

Revue
 
Ein ungewöhnliches Osterfest liegt hinter uns – ohne Freunde, ohne die Möglichkeit, Angehörige zu bes
 

Sahra Wagenknecht

17. April · Ausgabe #96 · Im Browser ansehen
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Ein ungewöhnliches Osterfest liegt hinter uns – ohne Freunde, ohne die Möglichkeit, Angehörige zu besuchen. Ich verstehe gut, dass sich viele Menschen jetzt nach einer Lockerung der Maßnahmen sehnen, die unseren Alltag so beeinträchtigen. Die Einschränkungen treffen ja nicht alle gleich: Es macht einen Unterschied, ob man ein Einfamilienhaus mit Garten hat oder ob man mit Kindern in einer zu kleinen Wohnung lebt und umliegende Spielplätze geschlossen sind. Trotzdem müssen wir vorsichtig sein.

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Wir sehen aktuell in den USA oder Großbritannien, welche schrecklichen Zustände drohen, wenn man die Pandemie unterschätzt und zu spät reagiert. Wir sehen gegenwärtig auch, dass der größte Druck für eine rasche Öffnung von den Wirtschaftsverbänden und wirtschaftsnahen Instituten kommt.
Es sind dieselben Institute, die in der Vergangenheit empfohlen haben, Krankenhäuser zu schließen und Personal im öffentlichen Dienst abzubauen – was sich jetzt bitter rächt. Wir brauchen dringend Investitionen in die öffentliche Infrastruktur, mehr Pflegekräfte, mehr Lehrkräfte an Schulen und deren bessere hygienische Ausstattung. 15 Kinder pro Klasse – das wäre doch mal eine Maßnahme, die vor allem für Schulen in Problembezirken auch über die Krise hinaus sinnvoll wäre!
Außerdem muss parallel zur Lockerung endlich eine flächendeckende Versorgung mit normalen Stoffmasken sichergestellt werden. Ich finde es bedauerlich, dass die Regierung sich nicht dazu durchgerungen hat, zumindest in allen geschlossenen öffentlichen Räumen, im ÖPNV und in Geschäften eine Maskenpflicht durchzusetzen. Zwar schützen diese Masken nicht den Träger, sondern die anderen. Aber gerade deshalb wäre es sinnvoll, sie verpflichtend zu machen, denn dann wären am Ende auch alle geschützt. Und Chinas Nachbarländer zeigen, dass sich so die Ausbreitung der Pandemie erheblich eindämmen lässt. 
Für die Ablehnung der Maskenpflicht gibt es einen einfachen Grund: Die Bundesregierung hat es immer noch nicht geschafft, eine flächendeckende Versorgung mit einfachen Schutzmasken sicher- und Masken preiswert für alle zur Verfügung zu stellen.
Vor diesem Hintergrund halte ich die beschlossenen Lockerungen für riskant. Im Gedränge der Supermärkte drohen nach wie vor Ansteckungen, eine Maskenpflicht in geschlossenen Räumen würde dieses Risiko mindern. Und angesichts der hygienischen Missstände an vielen Schulen ist eine überhastete Rückkehr – vor allem für junge Schülerinnen und Schüler – kaum zu verantworten. Über die gestern beschlossene Exit-Strategie von Bund und Ländern habe ich heute mit dem rbb24 Inforadio gesprochen:
Wagenknecht: "Es wäre vieles besser, wenn es die Maskenpflicht gäbe" | Inforadio
Im Gespräch mit dem SPIEGEL
Im Video-Interview mit Markus Feldenkirchen vom SPIEGEL habe ich über die Pandemie-Folgen, Krisenmanagement und Kapitalismuskritik gesprochen. Einen Mitschnitt der Sendung “Der Spiegel fragt Live” gibt es auf Facebook und hier:
Sahra Wagenknecht spricht über Krisenmanagement in Zeiten von Corona Sahra Wagenknecht spricht über Krisenmanagement in Zeiten von Corona
Livechat auf Facebook am 22. April
Am nächsten Mittwoch möchte ich mit euch diskutieren! Ich freue mich auf eure Kommentare, Fragen und Ideen, die ich ab 18 Uhr im Livestream auf Facebook beantworte. Folgt dazu meiner Seite oder der Linksfraktion.
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Sahra Wagenknecht. MdB | Platz der Republik 1 | 11011 Berlin | sahra.wagenknecht@bundestag.de