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Nie wieder so leben wie vor Corona? Was uns dieses seltsame Jahr tatsächlich lehrt

Revue
 
 

Sahra Wagenknecht

3. Dezember · Ausgabe #127 · Im Browser ansehen

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Mit dem Dezember beginnt die Zeit der Rückblicke und auch ich werfe diese Woche im Video einen Blick zurück auf dieses Jahr, das sicherlich für viele ein ganz anderes war als die Jahre davor. Mittlerweile hört man immer öfter: Unser Leben wird nie wieder so sein wie vor Corona. Aber stimmt das? Ist das, was wir in diesem Jahr erlebt haben, wirklich so „ganz anders“ als die Entwicklungen in den Jahren davor? Oder haben sich in diesem Krisenjahr nicht vielmehr viele Fehlentwicklungen nur zugespitzt und massiv verschärft, die im Trend schon lange da waren? Zeigt die Krise nicht wie unter einem Brennglas besonders klar, was schon vorher in unsrer Gesellschaft schief lief und sich jetzt in besonders schlimmer Weise ausgewirkt hat?

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Nehmen wir den aktuellen Lockdown: Wer eine starke Lobby hat, bekommt weniger Einschränkungen, leiden müssen jene, die nicht die Mittel haben, sich die Unterstützung der Politik zu sichern. Einzelne große Konzerne wurden mit mehr Milliarden unterstützt, als alle kleinen Unternehmen, Solo-Selbstständigen und Freiberufler zusammen bekommen haben. Entscheidungen werden in Kanzleramtsrunden getroffen und danach in Gutsherrenart verkündet, das Parlament darf anschließend vielleicht noch debattieren – demokratisch ist das nicht. Aber: Wie demokratisch war unser Land vor der Krise? Eine Wahl alle vier Jahre macht noch keine Demokratie aus, sondern dass im Interesse und dem Willen der Mehrheit entsprechend gehandelt wird. War das in den vergangenen Jahren etwa der Fall? 
Oder nehmen wir das schwindende Vertrauen in die Wissenschaft: Wir müssen uns nicht wundern, dass immer mehr Menschen anzweifeln, was als wissenschaftliche Erkenntnis vorgetragen wird, kommt doch immer wieder ans Licht, wer alles Studien und Stellen finanziert. Natürlich ist eine Studie mit dem Ergebnis das Rauchen nicht schädlich sei kaum glaubhaft, wenn sie von Malboro bestellt und bezahlt wurde. Aber eine unabhängige Wissenschaft hat es in Zeiten von Privatisierungen und Drittmittelfinanzierung schwer – auch das nicht erst seit Corona. 
Der schwindende Zusammenhalt, sinkendes Vertrauen in den Staat und staatliche Institutionen, Vereinsamung, soziale und kulturelle Spaltung – all das sind Prozesse, die in der Pandemie zwar verschärft, aber schon vor Jahren, teils Jahrzehnten ausgelöst wurden. Weil die Wirtschaft den allseits flexiblen, ständig mobilen Menschen braucht. Aber wollen wir wirklich so leben?
Selbst wenn die Impfstoffe funktionieren sollten und keine ernsten Nebenwirkungen haben – was nicht sicher ist – wird das Ende der Pandemie nicht das Ende all unserer Sorgen bedeuten. Aber es kann eine Chance sein: Die vielen Probleme und Baustellen in unserer Gesellschaft haben wir in diesem Jahr deutlich vorgezeigt bekommen. Nach diesen Erkenntnissen müssen wir aber auch handeln. 
Sahra Wagenknecht
#CoronaHilfen-Chaos: Unfähigkeit der #BuReg gefährdet Unternehmen. Statt der versprochenen unbürokratischen & schnellen #Corona-Hilfe gibt es für betroffene Betriebe monatelang zunächst kein oder kaum Geld. Wer ist für die Katastrophe verantwortlich? https://t.co/1UnRi5Fi83
TV-Tipp: Heute Abend bei Maybrit Illner im ZDF
Heute Abend diskutiere ich bei Maybrit Illner über das Thema “Rechts, links, quer – wer profitiert von Angst und Spaltung?” 22:15 Uhr im ZDF oder später in der ZDF-Mediathek:
Rechts, links, quer – wer profitiert von Angst und Spaltung? Rechts, links, quer – wer profitiert von Angst und Spaltung?
Amazon, Facebook und Google vergesellschaften!
Je mehr die Digitalisierung voranschreitet, desto brisanter wird die Frage, wie wir mit Daten und Informationen umgehen. Ob Corona-Pandemie oder Klimawandel: Dass wir mehr, bessere sowie vertrauenswürdige Informationen brauchen, um dringende Probleme zu lösen, dürfte kaum jemand bestreiten. Doch wer sammelt unsere Daten und zu welchem Zweck? Während der Daten-Reichtum privater Monopole explodiert, gibt es eine erschreckende Armut an seriösen öffentlichen Daten zu vielen Politikfeldern.
 Meine neue Kolumne in der Frankfurter Rundschau:
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